Quartiers- und Teilhabegestaltung

Menschen mit Behinderung haben i.d.R. ein kleineres soziales Netzwerk. Daher ist es für die Einbindung in die Nachbarschaft und die Gemeindestrukturen notwendig, Potenziale im Quartier zu erschließen, die sich an den individuellen Bedarfen und Wünschen orientieren. Zum anderen müssen sich Anbieter sozialer Dienstleistungen in vorhandene lokale Netzwerke einbinden, um Einfluss zu nehmen auf die örtlichen Strukturen und die (Weiter-)Entwicklung von Angeboten.

Um Menschen mit Behinderung ein selbstständiges Wohnen zu ermöglichen und sie gleichzeitig zu einem sichtbaren und zugehörigen Teil des Quartiers werden zu lassen, sind unterstützende Maßnahmen notwendig, damit eine Einbindung in die Nachbarschaft und die Gemeindestrukturen gelingen kann. Diese Einbindung erfolgt auf zwei Ebenen: zum einen müssen die individuellen Bedarfe und Wünsche der Menschen mit Behinderung in Bezug auf Aktivitäten im Quartier Berücksichtigung finden und Zugänge geschaffen werden, zum anderen müssen die Strukturen im Quartier inklusiv (weiter-)entwickelt, Netzwerke aufgebaut/erweitert und neue Kooperationen angestrebt werden. Diese Arbeit auf der strukturellen und Systemebene wird bisher häufig nicht systematisch umgesetzt. Mit dem neuen SeWo LWL-Programm soll diese Arbeit unterstützt und gefördert sowie verschiedene Strategien erprobt werden.

Um die Anbindung an das nachbarschaftliche Umfeld und das Quartier zu gewährleisten ist für jedes ausgewählte Projekt die Förderung von Quartiers- und Teilhabegestalter/innen vorgesehen. Diese haben eine Schnittstellenfunktion:

  • für die Menschen mit Behinderung im selbstständigen Wohnen schaffen sie Zugänge, erschließen das Quartier, informieren wechselseitig und organisieren die Umsetzungsmöglichkeiten
  • für Akteure und Nachbarn im Quartier sind sie Ansprechpartner und bringen sich in die örtlichen Netzwerke und die Strukturen ein.

Konkrete Aufgaben können daher sein:

  • Konzept für die Teilhabe der Mieter/innen und ggf. der Angehörigen (von Kennenlern- und Schnuppertagen/Wohnzimmergespräche über Zugänge zu Partizipation im Sozialraum)
  • Ortskenntnisse aufbauen und Schlüsselpersonen kennenlernen
  • Angebote im Quartier erfassen, darüber informieren und Zugänge organisieren
  • Kontakte knüpfen, systematische Kenntnisse über den Sozialraum erlangen (z.B. Begehungen, Kontakt über Bürgerzentren/Quartierszentren/Treffpunkte/Apotheke/Bäckerei etc.)
  • Gemeinsam mit den Bewohner/innen individuelle Interessen und Aktivitäten erarbeiten und nach Umsetzungsmöglichkeiten im Sozialraum suchen
  • Methoden zur Vermittlung von Sozialraumkenntnissen und –aneignung (mental maps, Begehung, Netzwerkkarten)
  • Einbringen als Anbieter sozialer Dienstleistungen in die Angebote des Sozialraums, Aufbau von Kontakten, Einbinden in Netzwerke bis hin zu gezielten Kooperationen (z.B. mit der Altenhilfe o.ä.)
  • Inklusive Weiterentwicklung der örtlichen Strukturen voranbringen (z.B. über
  • Stadtteilgremien, Nachbarschaftsinitiativen etc.)

Damit diese Arbeiten tatsächlich mit der erforderlichen Energie verfolgt werden können, steht eine zweijährige Förderung eines/r Quartiers- und Teilhabegestalter/in zur Verfügung. Sinnvoll ist der Einsatz der Quartiers- und Teilhabegestalter/innen bereits gegen Ende der Bauphase der neuen Wohnprojekte, um den zukünftigen Mieter/innen von Anfang an zur Seite zu stehen und die Erschließung des Quartiers vorzubereiten. Auch nach Abschluss dieser Anschubfinanzierung kann es sinnvoll sein, die Funktionen weiterhin zu unterstützen und nachhaltig zu stärken. Davon profitieren nicht nur die Mieter/innen, auch der Leistungsanbieter kann sich damit aufstellen und z.B. leichter Hilfe-Mix-Lösungen umsetzen.

Die SeWo unterstützt die Fachkräfte durch die Organisation regelmäßiger fachlicher Austauschtreffen und Schulungsangebote und steht den Quartiers- und Teilhabegestalter/innen als Ansprechpartner und Unterstützter in der Praxis zur Seite.